Zwischen Spendenlust und Zukunftsfrust: Fundraising im Umbruch
Fundraising war selten einfach, aber so dynamisch wie heute? Selten. Zwischen KI-Hype, Spendenmüdigkeit, schwindender Aufmerksamkeitsspanne und Generation TikTok fragen sich viele Fundraiser: Wo lohnt sich der Einsatz? Welche Kanäle funktionieren (noch)? Und wie bereiten wir uns auf das Jahr 2026 vor, ohne im Aktionismus zu landen?
Wir haben den Überblick gewagt. Hier kommen die wichtigsten Trends – fundiert, sortiert und mit Blick auf das, was wirklich zählt: Wirkung.
Teil 1: Was Fundraising heute bewegt (Stand 2025)
1. Mobile Spenden sind Standard, aber nicht für alle
Mobile Payment ist längst keine Spielerei mehr. In der Schweiz gehört TWINT inzwischen zu den beliebtesten Zahlungsmethoden im Fundraising, insbesondere bei jüngeren Spendern. Spenden per QR-Code auf dem Plakat, im Brief oder auf der Website? Funktioniert. Gleichzeitig zeigen Analysen: Die Höhe der mobilen Spenden liegt oft unter der von klassischen Zahlungswegen wie Einzahlungsschein oder Banküberweisung.
Was das bedeutet: Fundraiser müssen den Spendenmix aktiv gestalten. Mobile Kanäle bieten niedrigschwelligen Zugang und sind perfekt für spontane Spendenaktionen. Aber wer hohe Einzelspenden oder wiederkehrende Spenden generieren will, sollte klassische Wege nicht vernachlässigen.
Praxis-Tipp: Kombiniere Direct-Mailings mit QR-Zahlungen. Ermögliche alle relevanten Zahlungsarten und kommuniziere sie sichtbar.
2. Automatisierung rettet die Nerven (und den ROI)
CRM-Systeme, E-Mail-Automation, Zielgruppen-Segmentierung: Wer heute noch alles von Hand macht, verschenkt Potenzial. Der Trend zur Automatisierung ist nicht neu, aber 2025 ist er erwachsen geworden. Fundraising-Teams setzen automatisierte Journeys ein, um Erstspender willkommen zu heissen, Ausfälle zu reaktivieren oder Grossspender individuell zu betreuen.
Und das Beste: Viele dieser Tools sind inzwischen erschwinglich und auch für kleinere Organisationen nutzbar. Voraussetzung: ein sauberes Datenmanagement und die Bereitschaft, Prozesse strategisch zu durchdenken.
Praxis-Tipp: Starte mit einfachen, aber wirkungsvollen Automationen: ein Dankes-Mail mit Projektupdate, eine Erinnerung bei ausbleibender Folgegabe oder ein Geburtstagsgruss.
3. Social Media: Viel Lärm, wenig Spenden, aber viel Potenzial
Spenden via Instagram? Klappt selten. Sichtbarkeit und Community-Building? Absolut. Social Media ist kein Goldesel, aber ein essenzieller Berührungspunkt. Besonders für die Generation Z und Millennials spielt sich Engagement digital ab – und dort entscheidet sich oft, ob eine Organisation als relevant wahrgenommen wird.
Was viele unterschätzen: Die „Conversion“ von Social Media zur Spende funktioniert oft über Umwege, etwa über einen Newsletter oder eine Event-Anmeldung. Wer soziale Medien nur an Spendensummen misst, verpasst den langfristigen Hebel.
Praxis-Tipp: Baue deinen Content auf Geschichten, Einblicke und Dialog aus. Miss den Erfolg nicht nur in Franken, sondern auch in Reichweite, Interaktion und Kontaktdichte.
4. Spenden-Abo statt Netflix
Monatliche Spenden sind das neue Normal. Viele Menschen sind bereit, kleinste Beträge regelmässig zu geben, wenn sie wissen, dass sie damit konstant etwas bewirken. Patenschaftsmodelle, Fördermitgliedschaften oder symbolische Abo-Spenden passen zur heutigen Erwartung: Einfach, planbar, wirksam.
Das Potenzial: Wiederkehrende Spenden ermöglichen Planungssicherheit für NPOs und reduzieren den Druck, ständig neue Kampagnen zu starten.
Praxis-Tipp: Mach es deinen Spendern einfach. Klarer Einstieg, mobile Optimierung, transparente Wirkung. Und: Betone den Unterschied, den die Regelmässigkeit macht.
5. Spenderbindung wird zur Königsdisziplin
Akquise ist teuer, Retention ist günstiger – aber mindestens genauso anspruchsvoll. Viele Organisationen verlieren Neuspender nach der ersten Spende. Der Grund: fehlende Kommunikation, kein Gefühl von Beziehung, keine Resonanz.
Dabei gilt: Wer sich als Organisation meldet, Feedback gibt, Wirkung zeigt und persönlich wird, kann aus einmaligen Spendern langfristige Unterstützer machen.
Praxis-Tipp: Definiere eine Donor Journey mit klaren Kontaktpunkten: Begrüssung, Wirkung, Danke, Update. Prüfe, wie automatisierte Tools dich dabei entlasten können.
6. Vertrauen entsteht durch Transparenz
Die Zeiten der anonymen Organisationen sind vorbei. Spender wollen wissen, wohin ihr Geld fliesst und was damit erreicht wird. Dabei geht es nicht nur um Zahlen, sondern um Geschichten, Gesichter und Haltung.
Studien zeigen: Gütesiegel (z. B. Zewo) oder Trust-Elemente auf Spendenseiten erhöhen die Konversionsrate deutlich. Noch wichtiger aber ist Konsistenz in der Kommunikation.
Praxis-Tipp: Zeig Wirkung. Erzähle echte Geschichten, teile Ergebnisse, mach aus Zahlen Emotionen. Und sprich auch über Herausforderungen – das schafft Nähe.
Teil 2: Was ab 2026 wichtig wird
1. KI wird Normalität, aber bitte mit Haltung
Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr. Im Fundraising übernimmt KI heute schon Aufgaben wie Textoptimierung, Zielgruppen-Segmentierung, Response-Prognosen oder sogar Spenderidentifikation.
Bis 2026 gilt: KI wird zum Werkzeug wie Excel oder CRM. Aber sie ist kein Selbstläufer. Ethik, Datenschutz, Transparenz und menschliche Kontrolle bleiben entscheidend.
Praxis-Tipp: Entwickle interne KI-Richtlinien. Entscheide bewusst, wo Automatisierung sinnvoll ist und wo Empathie, Beziehung und Fingerspitzengefühl gefragt bleiben.
2. Gamification & Interaktion: Spenden wird spielerischer
Ob Spendenlauf mit Tracking-App, Team-Challenge auf Social Media oder Sammelziele mit Fortschrittsanzeige: Spielerische Elemente aktivieren.
Warum das funktioniert: Menschen wollen Teil von etwas sein. Gamification verbindet Spass, Wettbewerb und Wirkung – und eignet sich perfekt, um neue Zielgruppen zu erreichen.
Praxis-Tipp: Plane 2026 eine interaktive Fundraising-Aktion. Achte auf klare Regeln, motivierende Gestaltung und einfache Teilnahme. Kommuniziere den gemeinsamen Fortschritt sichtbar.
3. Gen Z will Sinn und Mitbestimmung
Die kommende Spendergeneration ist digital, kritisch, werteorientiert. Sie gibt nicht einfach, sie hinterfragt. Sie möchte beteiligt sein, nicht nur überweisen, sondern auch gestalten.
Das bedeutet: Organisationen, die Mitwirkung ermöglichen, partizipative Formate schaffen und Community-Gefühl aufbauen, werden punkten. Die klassische One-Way-Kommunikation hat ausgedient.
Praxis-Tipp: Starte Mikro-Volunteering-Projekte, biete Co-Creation-Formate an (z. B. „Wähle dein Projekt“) oder nutze Social Media für offenen Dialog. Und höre zu – wirklich.
4. Kollaboration statt Konkurrenz
2026 gewinnt nicht, wer am lautesten trommelt, sondern wer Allianzen schmiedet. Die Ressourcen im Sektor sind begrenzt, die Herausforderungen komplex. Kooperationen zwischen NPOs, mit Unternehmen oder innerhalb von Spendenplattformen gewinnen an Bedeutung.
Vorteile: Gemeinsame Kampagnen sparen Geld, erreichen mehr Menschen und stärken das Vertrauen.
Praxis-Tipp: Denke strategisch über Partnerschaften nach. Gibt es Organisationen mit verwandtem Zweck? Unternehmen mit Fokus auf Corporate Social Responsibility? Plattformen, die deine Reichweite erhöhen können? Gemeinsames Wirken statt Einzelkampf.
5. Regulatorik wird komplexer und entscheidender
Die Schweiz hat ein vergleichsweise liberales Datenschutzverständnis, aber auch hier verschärfen sich die Rahmenbedingungen. Das revidierte Datenschutzgesetz ist in Kraft, der EU AI Act und internationale Standards sind auf dem Weg.
Was das heisst: Fundraising wird stärker reguliert. Datenschutz, Einwilligungen, KI-Einsatz – alles braucht Klarheit. Wer vorbereitet ist, agiert souveräner.
Praxis-Tipp: Mache Compliance zur Vertrauensstrategie. Nicht als Bürokratie, sondern als Haltung: Wir schützen Daten, wir handeln transparent, wir respektieren unsere Spender.
Fazit: Fundraising bleibt Beziehungsarbeit
2026 wird smarter, digitaler, kollaborativer. Aber eines bleibt: Spenden ist ein Akt des Vertrauens. Wer Nähe schafft, Relevanz beweist und Wirkung zeigt, wird auch morgen unterstützen.
Du willst wissen, wie du deine Fundraising-Strategie fit machst für 2026? Dann melde dich bei uns. Wir unterstützen dich dabei.




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